Der weibliche Zyklus wird von verschiedenen Hormonen gesteuert. Sie sorgen dafür, dass eine Eizelle heranreift, der Eisprung stattfindet und sich die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Gleichzeitig beeinflussen sie die Stimmung, das Energielevel, die Haut und die sexuelle Lust.
Zyklusbeginn – FSH regt die Eizellreifung an
Am ersten Tag der Menstruation beginnt ein neuer Zyklus. Jetzt steigt das follikelstimulierende Hormon (FSH) an. Es regt in den Eierstöcken mehrere Eibläschen (Follikel) zum Wachstum an. Meist entwickelt sich nur eines vollständig weiter. Mit der Reifung des Follikels wird zunehmend Östrogen gebildet.
Die Follikelphase – Östrogen übernimmt
Der Östrogenspiegel steigt in den Tagen vor dem Eisprung kontinuierlich an. Dieses Hormon baut die Gebärmutterschleimhaut auf und bereitet den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
Viele Frauen fühlen sich in dieser Phase energiegeladen, leistungsfähig und ausgeglichen. Auch die sexuelle Lust nimmt häufig zu. Der Zervixschleim wird klar, dünnflüssig und dehnbar, sodass Spermien leichter zur Eizelle gelangen können.
Der Eisprung – LH löst ihn aus
Erreicht der Östrogenspiegel seinen Höhepunkt, wird eine grosse Menge des luteinisierenden Hormons (LH)ausgeschüttet. Dieser sogenannte LH-Anstieg löst den Eisprung aus.
Die reife Eizelle verlässt den Eierstock und wird vom Eileiter aufgenommen. Jetzt beginnt die fruchtbarste Phase des Zyklus.
Die Gelbkörperphase – Progesteron bereitet den Körper vor
Nach dem Eisprung entsteht aus dem leeren Follikel der Gelbkörper. Dieser bildet vor allem Progesteron. Progesteron sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut erhalten bleibt und sich auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet. Gleichzeitig steigt die Körpertemperatur leicht an. Viele Frauen fühlen sich in dieser Phase ruhiger und haben weniger Energie. Auch die sexuelle Lust kann etwas abnehmen.
Kurz vor der Menstruation – Die Hormone fallen ab
Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, bildet sich der Gelbkörper zurück. Dadurch sinken die Spiegel von Östrogen und Progesteron deutlich. Dieser Hormonabfall löst die Menstruation aus. Gleichzeitig können Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Wassereinlagerungen, Heisshunger oder Unterleibsschmerzen auftreten. Diese Beschwerden werden als prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet.
Hormone und Sexualität
Die Hormone beeinflussen nicht nur den Menstruationszyklus, sondern auch das sexuelle Empfinden.
- Östrogen fördert die Durchblutung der Geschlechtsorgane, unterstützt die natürliche Befeuchtung der Vagina und steigert bei vielen Frauen die sexuelle Lust.
- Progesteron wirkt beruhigend und kann das sexuelle Verlangen etwas verringern.
- Rund um den Eisprung empfinden viele Frauen ihre grösste sexuelle Lust, da Östrogen seinen Höchststand erreicht und der Körper biologisch auf eine mögliche Befruchtung vorbereitet ist.
Vergleich mit den Jahreszeiten
Der weibliche Zyklus lässt sich gut mit den vier Jahreszeiten vergleichen:
- Winter – Menstruation
Die Blutung ist eine Zeit des Rückzugs und der Erholung. Der Hormonspiegel ist niedrig, der Körper braucht oft mehr Ruhe und Aufmerksamkeit für die eigenen Bedürfnisse.
- Frühling – Follikelphase
Nach der Menstruation steigt das Östrogen an. Die Energie kehrt zurück, die Stimmung wird oft besser und viele Frauen fühlen sich motivierter, kreativer und leistungsfähiger.
- Sommer – Eisprung
Der Höhepunkt des Zyklus: Östrogen ist auf seinem höchsten Stand. Viele Frauen fühlen sich selbstbewusst, offen und voller Energie. Auch die sexuelle Lust kann in dieser Phase stärker sein.
- Herbst – Gelbkörperphase
Nach dem Eisprung steigt Progesteron. Der Körper wird ruhiger und richtet sich nach innen. Manche Frauen spüren mehr das Bedürfnis nach Rückzug, Ruhe oder Selbstfürsorge.
Wie die Jahreszeiten sich verändern, so verändern sich auch die Bedürfnisse des Körpers im Zyklus. Jede Phase hat ihren eigenen Rhythmus und ihre eigene Qualität.
FSH, Östrogen, LH und Progesteron steuern gemeinsam die Fruchtbarkeit und beeinflussen gleichzeitig Energie, Stimmung und Sexualität. Jede Frau kann anders auf die schwankenden Hormone reagieren. Manche erleben starke Schwankungen in Schlaf, Hunger, Leistungsgefühl, Haut, Lust und Stimmung, wohingegen andere kaum eine Veränderung merken. Wobei sich dies je nach Phase des Lebens erneut verändern kann. Das Wissen über die hormonellen Veränderungen kann dabei helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen, die verschiedenen Zyklusphasen bewusst wahrzunehmen und bei wiederkehrenden Beschwerden das Leben nach diesen auszurichten.

Weitere Informationen:
- Beitrag vom SRF zu „Essen, Trainieren und Arbeiten nach Zyklus“: https://www.srf.ch/wissen/mensch/zyklusorientiertes-leben-essen-trainieren-und-arbeiten-nach-zyklus-was-bringt-s
- https://www.lilli.ch/menstruationszyklus